Heil sein

Die gesamte belebte Natur hat die Tendenz heil, ganz zu sein . So wie es die genetische Blaupause des jeweiligen Lebewesens vorgesehen hat. Und wir Menschen haben ausserdem die Fähigkeit unsere Welt bewusst zu gestalten.

Wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerutscht ist müssen wir lediglich einen Raum schaffen in dem alles wieder an seinen Platz rücken darf. Das kann manchmal ganz einfach sein, wie zum Beispiel bei meinem Pferd Raja, die zum Schlachter sollte, als ich sie kennengelernt habe, wegen Ataxie (Lehrmeinung: unheilbar). Abgemagert und traumatisiert wie sie war, war es kein Wunder dass sie nicht 'funktionieren' konnte. Aber mit dem richtigen Futter und Training, genügend Zeit und einem Menschen der an sie glaubt, war das Thema bald erledigt. 
Bei uns Menschen ist das natürlich oft komplizierter. Wir sind eingebunden in Familie, Job und Freundeskreis und oft ist es nur schwer zu akzeptieren, wenn die Seele einen anderen Plan für uns hat. Ich hab es selbst erlebt.  Da hatte ich nun eine sichere gutbezahlte Arbeit mit der ich bis zur Rente eine ruhige Kugel hätte schieben können und dann macht mir mein Körper einen Strich durch die Rechnung. Das ist natürlich erst mal Angst auslösend. Der Verstand rennt Amok. Aber die Seele verkümmert in der Komfortzone. Wachsen oder Sterben. Also durfte ich mal wieder springen. Hilfreich war da natürlich meine gute Seelenanbindung durch meine 20jährige Meditationpraxis und ein gesundes Urvertrauen. Und ich habe keinen Tag bereut diesen Weg gegangen zu sein! Das menschliche Leben hält so viele Wunder für uns bereit, wenn wir ins Vertrauen kommen!

Und hier übergebe ich das Wort an Hermann Hesse, weil ich könnt's nicht schöner sagen:

  

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
 Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
 Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
 Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
 Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
 Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
 Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
 In andre, neue Bindungen zu geben.
 Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
 Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
 An keinem wie an einer Heimat hängen,
 Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
 Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
 Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
 Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
 Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
 Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
 Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
 Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
 Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!